Die Arbeit im japanischen Gartenbaubetrieb *Update*

Das Arbeitsklima im Betrieb ist sehr angenehm, eher persönlich als geschäftlich. Ich habe meinen eigenen Spind und einen Schreibtisch sowie ein persönliches Schuhfach.

Auf dem Namesschild steht in Katakana (japanisches Silbenalphabet für ausländische Wörter) Oriba (Oliver auf japanisch)
Auf dem Namensschild steht in Katakana (japanisches Silbenalphabet für ausländische Wörter) Oriba (Oliver auf japanisch)
Der Spind hat die normale Größe sowie einen Schnappverschluss wie man ich auch aus japanischen Schulspinden her kennt
Der Spind hat die normale Größe sowie einen Schnappverschluss wie man ihn auch von japanischen Schulspinden her kennt
Mein Arbeitsplatz im Büro mit Internetanschluss
Mein Arbeitsplatz im Büro mit Internetanschluss, den Hut habe ich geschenkt bekommen
Japanischer Schuhschrank im Vorraum für Straßen-, Arbeits- und Pantoffeln für das Büro (ja in Japan wechselt man oft die Schuhe^^)
Japanischer Schuhschrank im Vorraum für Straßen-, Arbeitsschuhe sowie Pantoffeln für das Büro (ja in Japan wechselt man oft die Schuhe^^)

Die Arbeit beginnt in der Regel mit einer Versammlung um 8:20 Uhr (vorher sitzen die meisten aber noch am Computer und schreiben Mails oder wir räumen zusammen das Büro auf). Das betrifft die Versammlung aller Mitarbeiter des Research and Development Centers. Es folgt das Aufstehen vom Schreibtisch und eine Verbeugung mit einem „Ohayo gozaimasu“ (Guten Morgen) und der Chef erklärt den heutigen Tagesablauf sowie bietet allen Mitarbeitern an Fragen zu stellen oder über mögliche Probleme oder anstehende Dienstreisen zu berichten. Danach teilt sich das Team in zwei Gruppen auf und ich werde dem jeweiligen Mitarbeiter zugeteilt (dann meistens in Englisch und zum Teil auf Japanisch damit ich immer wieder dazu lerne).  Danach folgt wieder eine Verbeugung und ein „Guten Morgen“. Fast jeder Mitarbeiter ist sein eigener Chef über eine bestimmte Schnittblumenkultur. Meistens muss der Kulturchef noch was vorbereiten und ich darf solange noch das Internet im Büro nutzen.

Dann geht es weiter zum Arbeitsplatz (sagiyoba) wo wir die Sasionmitarbeiter oder festangestellten Mitarbeiter treffen. Wieder ein „Guten Morgen“ plus Verbeugung und Aufteilung der Arbeit. Dann geht es zur eigentlichen Arbeit, die besteht in diesem Monat meist aus pflanzen von Schnittblumen in Reihenbeete direkt in den gewachsenen oder gefrästen Boden. Trotzdem fallen auch andere Arbeiten an und die lassen sich am besten mit Bildern erklären. Leider musste ich die Bilder entfernen, da die Firma ihre Betriebsgeheimnisse wahren möchte. Ich bitte um Verständis.

Besonders hervorheben möchte ich die Arbeit bei einem lokalen Farmer (Herr Nakayama), der mittlerweile zu alt ist und somit sein Foliengewächshaus an Miyoshi verpachtet hat. Dieses Gewächshaus musste mit neuer Gewächshausfolie eingedeckt werden (Seitenlüftung und Dachbereich). Allerdings mussten beide Aktionen wetterbedingt getrennt ablaufen, da die Tag- und Nachttemperaturen in dieser Gegend sehr stark schwanken. Somit lassen sich auch die vielen Gewächshausgerippe erklären, die man hier viel antrifft!

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Seitenlüftung ist fertig montiert!
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Foliengewächshaus mit hochgerollter Seitenlüftung
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Linke Seite…
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… und rechte Seite ist eingedeckt!

Nach der Aktion sind wir an den beiden Tagen noch etwa eine Stunde beim älteren Ehepaar gewesen und wurden gemäß der japanischen Gastfreunlichkeit (omotenashi) mit Grüntee und japanischen Süßigkeiten gefüttert bis wir kugelrund waren :-D. Dabei habe ich immer den verpackten Knabberkram bekommen den niemand mehr geschaft hat, ich bin also nie mit leerem Magen davongekommen :-D. Das Thema war am Anfang natürlich ich und wie es mir hier gefällt und ob mein Flug angenehm war. Später ging es dann mit landwirtschaftlichen Themen wie Reisproduktion und Seide weiter (die wurde hier vor 15-20 Jahren von vielen angebaut aber Konkurrenzprodukte aus Festlandasien haben den Markt einbrechen lassen). Verstanden habe ich weniger als die Hälfte aber das wenige Japanisch hat mir doch ganz gut geholfen, zur Not geht immer Englisch 🙂  Am Ende hat uns der alte Farmer noch voller Stolz seine Bonsaisammlung gezeigt. Ein Exemplar davon ist mittlerweile 75 Jahre alt!

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Einige Bonsai in Töpfen
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Bonsai in einem Steingefäß, Alter wahrscheinlich um die 50 Jahre
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Dieser Bonsai ist schon so alt, dass die Wurzeln unten durch den Topf stoßen!
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Das ist das besagte Exemplar das 75 Jahre auf dem Buckel hat!

Herr Nakayama (der Besitzer der Bonsai) wollte mir tatsächlich ein Exemplar schenken, allerdings wäre der Transport ein echtes Problem geworden!

Pausen sind wie folgt: 10:00 bis 10:15 Uhr ist eine gemeinsame Teepause, wo japanischer Grüntee aufgebrüht wird. An den traditionellen Tassen ohne Henkel kann man sich gut die Finger wärmen, es kann aber auch manchmal zu heiß sein! Getrunken wird der Tee ohne Zucker, dazu wird Süsses oder Salziges zum knabbern gereicht.

Die Mittagspause ist von 12:00 bis 13:00 Uhr und findet meistens im Pausenraum des Büros statt. Dieser Raum ist mit Tatamimatten (japanischer Reisstroh) ausgelegt und wird deshalb ohne Pantoffeln betreten. Im Pausenzimmer steht ein niedriger Tisch an dem wir dann zu Mittag essen. Gegessen wird oftmals Reis und Gemüse mit nur ein klein wenig Fleisch, da das am günstigsten ist. Auch wenn man auf die Toilette möchte wird auf Sandalen gewechselt. Auf der Toilette ist es recht kalt aber dafür die Klobrille beheizt und die Temperatur einstellbar (gilt auch für das Klo draußen bei den Gewächshäusern!). Geht man wieder zurück ins Büro, wechselt man wieder auf die Hauspantoffeln! (NICHT VERGESSEN!)

Es folgt eine weitere Teepause von 15:00 bis 15:15 Uhr die wie die Erste abläuft.

Feierabend ist dann um 17:00 Uhr aber ich bleibe meist noch da um auf die Kollegen zu warten die mich zum Wohnheim mitnehmen. Da kann bisweilen ganz schön spät werden (19:30 Uhr) aber ich nutze solange das Internet und schreibe was für diesen Blog hier.

Das nächste mal folgt ein Eintrag mit weniger Text dafür aber um so mehr Bildern vom Misogi Schrein nicht unweit von meiner Wohnung entfernt.

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